Schulhaus Menzingen, Schweiz

Auftraggeber: Hochbauamt Kanton Zug
Architektur: Bünzli & Courvoisier Architekten AG
Zeitraum: 2010 – 2018
Fläche: 17 900m2
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Projekt Sanierung und Erneuerung der Kantonsschule Menzingen

Bei der Sanierung und Erneuerung der Kantonsschule Menzingen soll die Anlage des ehemaligen Lehrerinnenseminar Bernarda aus den späten 1950er Jahren in ihren wesentlichen Teilen erhalten und wieder hergestellt werden. Dies gilt im Besonderen für die Freiflächen, welche mit den Bauten eine bemerkenswerte Ensemblewirkung erzielen. Die Anlage galt damals gestalterisch und betrieblich als beispielhafter Schulbau und entsprach in ihrem architektonischen Ausdruck dem damaligen Vorbild moderner, amerikanischer Schulbauten.

Die Freiflächengestaltung erfolgte durch den Zürcher Gartenarchitekten Ernst Cramer in Zusammenarbeit mit den Architekten Hafner und Wiederkehr aus Zug. Ernst Cramer war einer der wichtigsten Schweizer Gartenarchitekten des 20. Jahrhunderts, dessen gestalterischer Einfluss bis in die heutige Landschaftsarchitektur reicht.
 

Konzept

Die Anlage soll in ihren wesentlichen Teilen erhalten und denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurden für die Sanierung der Freiflächen Prioritäten festgelegt. Oberste Priorität ist dabei die Sicherung, Lagerung und der Wiedereinbau von Originalmaterial. So sollen z.B. die Betonplatten im Format 70 x 70cm ausgebaut, bauseits gelagert und anschliessend neu verlegt werden. Zweite Priorität ist der Abbruch nicht mehr verwendbarer Materialien und der Ersatz durch material- und formatgleiche Elemente. Im Falle der Betonplatten sollen beschädigte und zerbrochene Platten durch gleichwertige ersetzt werden.

Gleichzeitig lässt sich die Anlage in drei Zonen gliedern: Restauration, Bildähnliche Wiederherstellung und Ergänzung.

Die Teilbereiche der Zone Restauration sollen nach Cramers Entwurf wiederhergestellt werden. Darunter fällt u.a. die Sanierung der Wegflächen, Mauern und Treppen, Bänke sowie der Reflektionsbecken.

Zentrales Element der Bildähnlichen Wiederherstellung ist die Rekonstruktion des Eingangsplatzes. Die Parkierung wird aufgehoben und der vorhandene Asphalt abgebrochen. Anschliessend wird der ursprüngliche Bodenbelag aus Asphalt und Natursteinstreifen rekonstruiert. Im Falle der Vegetation muss der Bestand in Bezug auf Zustand und Dichte überprüft werden. Ziel ist dabei die Rekonstruktion der offenen Rasenflächen um die von Cramer beabsichtigte Grosszügigkeit der Anlage wiederherzustellen. Zudem ist die gezielte Rodung von Bäumen und Sträuchern notwendig um die Blickbezüge innerhalb der Anlage und vor allem in die Landschaft wiederherzustellen. Des Weiteren wird die Parkierung vor dem Theatersaal entfernt und das Gelände in den ursprünglichen Zustand versetzt. Als Ersatz ist eine Erweiterung der Parkierung im Bereich der heutigen Zufahrt zwischen dem Vorplatz des Hauses Maria vom Berg und der offenen Wiesenlandschaft geplant.

Auch die Ausstattung soll unter Berücksichtigung von Cramers Entwurf rekonstruiert werden. Als Ersatz für die mobilen Stühlen und Tische, mit denen die Anlage schon damals bestückt wurde, sind Modelle geplant, die denen von damals in Form und Material ähnlich sind. Dasselbe Prinzip gilt für die Leuchten, welche durch eine moderne Version, die den Leuchten aus Cramers Entwurf ähnlich ist, ersetzt werden.

In der Zone Ergänzung wird die Anlage um Komponenten erweitert, welche aufgrund der Nutzungsänderungen der Schule notwendig geworden sind. So ist z.B. eine neue Zufahrt als Anlieferung für die Küche am westlichen Rand der Anlage geplant.

Heute sind zahlreiche Projekte Ernst Cramers, darunter seine wohl bekanntesten, der Garten des Poeten von 1959 und der Theaterarten auf der IGA Hamburg von 1963, nicht mehr erhalten. Das Projekt der Sanierung und Erneuerung der Kantonsschule Menzingen bietet eine grosse Chance, ein Projekt eines der wichtigsten Landschaftsarchitekten der Schweiz für die Zukunft zu bewahren. Dies gilt für das ehemalige Lehrerinnenseminar Bernarda umso mehr, weil Cramer in diesem Projekt erstmals seine neue gestalterische Linie konsequent einsetzte.