Erweiterung LGT Vaduz

Konglomerat der Landschaft

Details
Bauherr
LGT
Typus
Campus
Kollaboration
Fischer Architekten AG
Zeitraum
2020 - 2026
Entwurf
2020 - 2025
Bau
2025 - 2026
Status
Realised
Landschaftsgebiet
2152 m²
Gesamtfläche
2932 m²
Land
Liechtenstein

Die LGT erweitert ihren Hauptsitz im Zentrum von Vaduz. Geologische Untersuchungen zeigen, dass Verlandungssedimente des Rheins später von Rüfeschutt überdeckt wurden. Das Projekt gründet somit auf einem Rüfeschuttkegel. Als Rüfe bezeichnet man eine Schlamm- und Gerölllawine – einen schnell talwärts fliessenden Strom aus Schlamm und grobem Gesteinsmaterial.

Die architektonisch gestaltete Kratzbetonmauer im Innenhof greift dieses Motiv auf und übersetzt es in eine zeitgemässe Form. Mit ihrem erdigen Farbton, der rauen Oberfläche und variierenden Korngrössen kaschiert sie technische Anforderungen und wird zugleich selbst zum Teil der Landschaft.

Rüfeschüttkegel

Grosse Felsbrocken, als Reminiszenz an die geologischen Entwicklungen dieses Ortes, verankern das Areal sichtbar im Stadtzentrum von Vaduz und fungieren als wiederkehrendes Gestaltelement im Freiraum. Als Zeugnisse der Rüfe begleiten sie den Weg durch das Gelände. In Massstab, Oberfläche

und Farbigkeit entfalten sie eine eindrückliche physische Präsenz und erzeugen eine besondere Atmosphäre. Sie relativieren den Menschen, laden zum Innehalten ein und erinnern uns an die Kraft und Schönheit der Natur.

Von den Findlingen erodiertes und abgebrochenes Material findet sich in ungebundenen wie auch gebundenen Flächen wieder. Die Belagsfläche erfüllt mit ihrer geringen Albedo sowohl Nachhaltigkeitsanforderungen als auch die Kriterien der Barrierefreiheit für einen öffentlichen Weg. Durch die Oberflächenbearbeitung treten die unterschiedlichen Korngrössen des Gesteins in ihrer Vielfalt gut sichtbar hervor.

In Gruppen mit geringen Abständen gepflanzt, konkurrenzieren Kiefern und Erlen in hoher Dichte, unterschiedlichem Alter und Grösse, sowie differenten Wuchsformen um Rang und Gewicht innerhalb der Pflanzengemeinschaft. Die Vielfalt an Arten und Sorten erhöht die ästhetische Qualität und Resilienz der Gehölzgruppen. Sie sind Sichtschutz und Blickziel zugleich. 

Strauchartige Bergkiefern sowie eine Unterpflanzung aus ruderalen Stauden und Farnen verstärken differenziert die Eindrücke einer Landschaft, die von der Rüfe unberührt geblieben ist oder sich nach deren destruktiven Einflüssen durch Sukzession bereits wieder regeneriert und etabliert hat. Flächen

mit gradiertem Schotter, Schotterrasen, sowie von Vegetation noch unbesetzte Bodenpartien fungieren dabei ebenfalls als Metaphern für die lokale Landschaft und ihre natürlichen Prozesse.

Alpinum

Im dritten Obergeschoss betritt man mit Sicht auf das Schloss Vaduz die Dachterrasse. Mitarbeitende und Gäste können sich hier ausserhalb der Kantine aufhalten und verpflegen. Dabei bietet sich ein weiter Ausblick über die Stadt, das Rheintal bis hin zum Mittagspitz im Süden.

Auch in diesem Bereich dient die lokale Landschaft als gestalterische Inspiration. Im Unterschied zum Erdgeschoss stehen hier jedoch die hochalpinen Gipfel Liechtensteins im Mittelpunkt. Grossformatige Natursteinplatten, präzise bearbeitet und in klarer, lotrechter Anordnung gesetzt, schaffen grosszügige Flächen für den alltäglichen Aufenthalt sowie für Veranstaltungen und Apéros.

Ergänzt wird die Gestaltung durch gebrochenes Felsmaterial aus Balzner Marmor, das in freier, natürlich wirkender Form angeordnet und mit alpiner Vegetation bepflanzt ist. Als Sinnbild gärtnerischer Kultur im Kontext der Berge setzt das Alpinum als abstrahierte Landschaft einen bewussten Kontrast zu den streng gefügten Natursteinplatten – in Materialität, Form, Bearbeitung und Massstab.

 

Im Zusammenspiel von Vegetation und Mineralien entstehen vielschichtige Szenerien im kleinen Massstab, die an die Besonderheiten und die Weite der lokalen alpinen Landschaft erinnern. Die vegetativen und mineralischen Eigenschaften der Landschaft werden sinnlich erfahrbar und prägen den Raum massgeblich. Gebautes und Gewachsenes fügen sich zu einem landschaftlichen Konglomerat.